EinwegplastikgeschirrErst vor kurzem hat man nachgewiesen, dass Menschen Mikroplastik ausscheiden, es also essen und es den Verdauungstrakt durchläuft. Inzwischen bildet sich ein allgemeines Bewusstsein über das Umweltproblem heraus. Das EU-Parlament stimmte am 24.10.2018 mit 571 Ja-Stimmen gegen 53 Nein-Stimmen bei 34 Enthaltungen für einen Richtlinien-Entwurf zum Verbot bestimmter Einwegplastikartikel (5).

Zu den betroffenen Kunststoffprodukten gehören:

  • Einwegteller
  • Einwegbesteck (Gabeln, Messer, Löffel, Essstäbchen (Chopsticks))
  • Rührstäbchen
  • Trickhalme
  • Luftballonhalter
  • Wattestäbchen

Für diese Produkte gibt es aus Sicht der EU-Kommision bereits Alternativen.

Ab 2021 sollen sie verboten werden. Bis 2025 sollen 90% der Einwegplastikflaschen gesammelt und teils wiederverwertet werden.

Der Verbrauch von Plastikbechern soll bis 2025 um 75% reduziert werden. Weitere Plastikprodukte sollen reduziert werden, z.B. Lebensmittelverpackungen wie Boxen, Fast-Food-Verpackungen oder Folienverpackungen (Wrappers). Getränkeflaschen und Getränkebehälter sollen so designt werden, dass Deckel und Verschlüsse nicht ohne weiteres in die Umwelt gelangen können. Also z.B. am Behälter befestigte Deckel.

Bis zum Frühjahr 2019 müssen sich noch die EU-Mitgliedsstaaten zur Regelung verständigen. Wird eine Einigung gefunden, dann müssen die Länder die Regelungen bis 2021 umsetzen.

Den Bericht über die erste Lesung des Richtlinienentwurfes kann man auf der Website der EU nachlesen. (4)

Der ganz normale Einwegwahnsinn
Der ganz normale Einwegwahnsinn

 

Martin Häusling, Mitglied der Fraktion Grüne EU-Parlament, kritisiert, dass es bei Plastiktüten noch zu viele Ausnahmen gäbe und dass die Verursacher - also diejenigen, die Plastikmüll produzieren - nicht ausreichend in die Verantwortung genommen würden. (1)

Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack bemängelt, dass die Industrie die Regelungen umgehen könne, indem sie Einwegprodukte einfach als wiederverwendbar kennzeichnet. Die Definition von Einwegplastik sei nicht präzise genug. (3)
 

Deutschland hat unabhängig davon bereits im neuen Verpackungsgesetz ab 2019 beschlossen, die Recycling-Quote bis 2022 auf 63% zu erhöhen. Lt Umweltbundesamt betrug die Recycling-Quote von Kunststoffabfällen im Jahr 2015 nur 46 Prozent. 53 % wurden verbrannt. (2) Die Branche nennt das "energetisch verwertet". Meiner Meinung nach wird die Müllverbrennung schön geredet.

Mehrfach habe ich in Interviews gehört oder in Artikeln gelesen, dass durch die Plastikverbrennung Strom und Wärme gewonnen werden. Auch als Brennstoffersatz in Zementfabriken oder Kohlekraftwerken spart Plastik angeblich fossile Brennstoffe. Dummerweise wird Plastik aus fossilen Brennstoffen hergestellt. Nach meiner Auffassung sind die Wiederverwendung von Plasik oder die Reduzierung der Herstellung eher passende Lösungen für das Müllproblem. Auch für die Einsparung fossiler Rohstoffe - nämlich Erdöl.

 

(1) tagesschau, "Abstimmung im EU-Parlament Mehrheit für Verbot von Einweg-Plastik" 24.10.2018 15:07 Uhr 

(2) "Kunststoffabfälle", Umwelt-Bundesamt, 30.01.2017

(3) Greenpeace Magazin, "EU will Plastikflut mit Verboten eindämmen - EU-Parlament stimmt ab", Mi, 2018-10-24 06:00

(4) "Bericht über den Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über die Verringerung der Auswirkungen bestimmter Kunststoffprodukte auf die Umwelt (COM(2018)0340 – C8-0218/2018 – 2018/0172(COD))", 11.10.2018

(5) "Vorschlag für eine RICHTLINIE DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES über die Verringerung der Auswirkungen bestimmter Kunststoffprodukte auf die Umwelt", Brüssel, den 28.5.2018 COM(2018) 340 final 2018/0172(COD)

 

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