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Unternehmensmeldungen war diese Woche zu entnehmen, dass gut 30 globale Unternehmen die Initiative "Alliance to End Plastic Waste" (AEPW) gegen Plastik-Müll gegründet haben. (1, 3) Die seit Jahren steigende öffentliche Abneigung gegen die Verschmutzung des gesamten Erdballs mit Plastik führt anscheinend zu einem Imageproblem für die Chemiebranche und manche kunststoffnutzende Firmen. Nun will man dem offenbar öffentlichkeitwirksam entgegentreten.

Wenn große Firmen so etwas machen, kann es schnell passieren, dass Kritiker von Greenwashing sprechen. Man gibt sich ein Saubermann- und Aktivistenimage, um von den eigentlichen Problemen abzulenken und prinzipiell so weiterzumachen, wie bisher. Das sagt sich schnell. Doch worum geht es bei der Initiative? Werfen wir mal einen Blick:

Was ist die Initiative?

Gegründet wird eine Non-Profit-Organisation, die durch die beteiligten Unternehmen mit ca. 1,5 Mrd. Dollar in den nächsten 5 Jahren finanziert werden soll.

Mitglieder sind

  • Chemiekonzerne wie BASF, Braskem, Berry Global, Chevron Phillips Chemical Company LLC, Clariant, Covestro, Dow Chemical, ExxonMobil, Formosa Plastics Corporation, Lyondellbasell, Mitsubishi Chemical Holdings, Mitsui Chemicals, NOVA Chemicals, OxyChem, PolyOne Corporation, Reliance Industries, Sasol, SCG Chemicals, Sumitomo Chemical, SABIC, Shell und Total
  • Konsumgüterhersteller wie DSM, Henkel und Procter & Gamble 
  • Entsorger wie SUEZ, Veolia and Versalis (Eni)

Folgende Personen wurden benannt:

  • Chairmen: David Taylor (Chairman of the Board, President und CEO von Procter & Gamble)
  • Vice Chairmen: Antoine Frérot (Chairman and CEO von Violia)
  • Vice Chairmen: Bob Patel (CEO of LyondellBasell)

 

Was ist das Ziel der Initiative?

Die Schlagwort-Schwerpunkte liegen bei Infrastrukturentwicklung, Innovation, Aufklärung und Einbindung sowie Säuberung.

Zielrichtung ist u.a. die Beseitigung der bzw. einiger Ursachen der Umweltverschmutzung. Dazu gehört der Eintrag des Plastikmülls in die Ozeane vornehmlich über asiatische und afrikanische Flüsse. Daher sollen Projekte im Bereich Müllmanagement und Kreislaufwirtschaft gefördert werden. Auch Initiativen zur Reinigung von belasteten Flüssen und Ozeanbereichen sollen unterstützt werden. Die Kooperation mit Städten, Regierungen und anderen Organisationen wird angestrebt. Der Handel soll in die Aktivitäten ebenfalls einbezogen werden.

Prinzipiell geht es also um den Aufbau der fehlenden Kreislaufwirtschaft in Asien und Afrika, die den Kunststoffmüll der Haushalte wieder rückführen und einer Verwertung zuführen würde.

 

Wie ist mein Fazit?

Die Initiative werde ich an ihren Ergebnisse messen. Und darauf wird man noch ein paar Jahre warten müssen. Der Aufbau einer Kreislaufwirtschaft in mehreren Ländern ist ein riesiges Vorhaben. Die großen asiatischen und afrikanischen Flüsse fließen durch viele Länder. Alle Länder müssen mitmachen, sonst bringt es nichts. Das ist meiner Meinung nach eine Mamutaufgabe.

Ich sehe für die beteiligten Konzerne allerdings auch einen lohnenswerten Ansporn. Zum einen trifft die Chemiekonzerne, aber auch den Handel, ein Imageschaden, mit dem mancher eher weniger zu tun hat. Der eine oder andere Chemieriese ist direkt nämlich kein Hauptproduzent der "Verschmutzungswerkstoffe". Aber wenn, dann bekommen die Kritik pauschal alle zu spüren. Das ist wie beim Dieselskandal. Es reißt gleich alle Hersteller und dann auch die Zulieferer herunter.

Im Aufbau einer umfassenden globalen Kreislaufwirtschaft stecken meiner Meinung nach mehrere Vorteile.

  1. Der Schutz der Umwelt ist zu unser aller Nutzen und sollte langfristig auch das Imageproblem für die Unternehmen beseitigen.
  2. Kunststoff hat bei vielen Anwendungen gegenüber anderen Materialien die Nase vorn. Sonst hätte er sich nie derart erfolgreich durchgesetzt. Es geht hier nicht nur um die weitere erfolgreiche Nutzung von Kunststoffen, sondern für die Unternehmen um die Erhaltung des Geschäftes und milliardenschwerer Investitionen.
  3. Die Kreislaufwirtschaft selbst ist innovativ und schafft Arbeitsplätze. Sie stellt einen Wirtschaftsfaktor dar, der in den betreffenden Ländern noch gar nicht erschlossen ist. Mit Abfall bzw. Recycling kann man auch Geld verdienen.
  4. Die beteiligten Firmen können für ihre neu entwickelten Verfahren Kunden in den Zielländern finden. BASF pilotiert beispielsweise momentan ein Verfahren namens ChemCycling, was für Chemisches Recycling steht. Dabei werden Kunststoffabfälle durch thermochemische Verfahren in Synthesegas oder Pyrolyseöl umgewandelt. Die gewonnenen Rohstoffe können wieder in der Chemischen Industrie eingesetzt werden. Attraktiv ist das Verfahren, weil man damit Kunststoffe recyclen kann, die bisher eher verbrannt oder deponiert werden. Hierzu zählen z.B. Multilayerverpackungen von Fleisch- und Molkereiprodukten oder verschmutzte Kunststoffe. (4)

 

(1) "Chemieriesen bilden eine Allianz gegen Plastikmüll", Handelsblatt, 13.01.2019

(2) "Jim Fitterling im Interview 'Das ist eine Chance für uns' – Dow-Chemical-Chef spricht über den Kampf gegen Plastik", Handelsblatt, 13.01.2019

(3) "Veolia founding member of the new Alliance to End Plastic Waste (AEPW)", Veolia, 16.10.2019

(4) "Chemisches Recycling von Kunststoffabfällen", BASF, abgerufen 17.01.2019

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