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Laut Umweltbundesamt (UBA) Deutschland wurden 2016 ca. 10,6 Prozent der Kunststoffverpackungsabfälle exportiert (2). Großimporteur war über viele Jahre China. In 2017 wurden zum Beispiel Folienabfälle für fast 500 EUR/Tonne nach China verkauft (1).

Die chinesische Regierung hat jedoch beschlossen, keinen Plastikmüll mehr anzukaufen. Seit Ende Dezember 2017 gilt ein Einfuhrstopp für Kunststoffabfälle mit einem Fremdanteil von mehr als 0,5% (4). Verschiedentlich war zu hören, dass es u.a. damit zu tun hat, dass der Plastikmüll stark verschmutzt und nicht sortenrein war. Andererseits steigt der Wohlstand in China rasant, so dass das Land inzwischen genug eigenen recyclebaren Müll produziert.

Seit dem Import-Stopp sind die Weltmarktpreise für Plastikmüll um die Hälfte gefallen (1). Die heutigen ausländischen Abnehmer verursachen keine Nachfrage wie vorher. Die Nationen müssen sich nun um ihren Müll selber kümmern.

Allerdings gibt es leider auch einen Müllanteil der jetzt in andere Staaten als vorher gelangt. Von den vormals jährlich 700.000 bis 900.000 Tonnen deutschen China-Kunststoffmüll werden nun mehr als 200.000 nach Malaysia, Vietnam, Thailand und weitere südostasiatische Staaten geliefert. Der schlechte Scherz: In diesen Ländern sollen Chinesische Firmen Recyclingstätten errichtet haben und verwerten dort den Kunststoffabfall. Das hochwertige Rezyklat geht dann nach China. Ich nehme an, der nicht verwertbare Kunststoffmüll verbleibt dann in den Ländern außerhalb Chinas. frown

Importquellen von Kunststoffmüll nach China 2016 und Gesamtsummen für Müllexporte von 1988-2016
Importquellen von Kunststoffmüll nach China 2016 und Gesamtsummen für Müllexporte von 1988-2016
By A. L. Brooks, S. Wang, J. R. Jambeck, The Chinese import ban and its impact on global plastic waste trade. Sci. Adv. 4, eaat0131 (2018). Creative Commons Attribution NonCommercial License 4.0 (CC BY-NC 4.0).

Ironischerweise können hochentwickelte Recyclingfabriken zur Sortierung von Kunststoffen und Gewinnung von Plastikgranulat erst jetzt durch die gefallenen Preise für Kunststoffabfälle kostendeckend arbeiten. Vorher war es gewinnbringender, den Müll zu verkaufen.

Meiner Meinung nach könnte man dadurch viel Zeit verloren haben. Wenn sich Innovationen nicht rechnen und der Müllhandel das bessere Geschäft ist, kam der Fortschritt bei den Recyclingtechnologien vielleicht nicht so schnell voran, wie er es hätte kommen können.

Anfang 2018 gab es Meldungen, dass der Anteil der "thermischen Verwertung" von Kunststoffen - sprich Verbrennung - deutlich gestiegen sei. Deutschland kommt anscheinend mit dem Mengenanstieg nicht ohne weiteres klar. Die Kapazitätserweiterungen und hochentwickelten Sortieranlagen müssen erst entstehen. Peter Kurth, Verbandsvorsitzender der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE), sagte im März in einem Spiegel-Interview, er schätze, dass 65 bis 70% des Plastiks verbrannt werden. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 wurden 53% verbrannt (3).

Die Abfallwirtschaft muss sich nun beeilen, denn bereits im Jahr 2017 trat eine novellierte Gewerbeabfallverordnung in Kraft. Die Neufassung zielt auf die stofflich getrennte Sammlung von gewerblichen Abfällen. Dadurch soll das nachgelagerte aufwändige Sortieren entfallen bzw. reduziert werden. Nicht sortierbare brennbare Abfälle landen nämlich in der Regel in der Müllverbrennung. Sortenreine Erfassung hingegen begünstigt das Recycling und verhindert die Verbrennung der Stoffe.

Zusätzlich tritt am 1.1.2019 das neue Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die hochwertige Verwertung von Verpackungen (Verpackungsgesetz - VerpackG) in Kraft. Im §16 heißt es:

Kunststoffe sind zu mindestens 90 Masseprozent einer Verwertung zuzuführen. Dabei sind mindestens 65 Prozent und ab dem 1. Januar 2022 70 Prozent dieser Verwertungsquote durch werkstoffliche Verwertung sicherzustellen.

"Werkstofflich" bedeutet, dass der Kunststoff als solcher wiederverwendet und nicht verbrannt wird. Im Gegensatz dazu bedeutet "rohstoffliche" Verwertung, dass der Kunststoff unter Wärmeeinwirkung zu Grundstoffen wie Ölen oder Gasen verwandelt oder als Reduktionsmittel im Hochofen eingesetzt wird. Aus den Zahlen folgt eine Erhöhung der Quote für das Kunststoffrecycling im dualen System. Das duale System erfasst die Verpackungen aus den Wertstoffsammlungen, also beispielsweise Glaskontainer, Papiertonnen, Gelbe Säcke oder Gelbe Tonnen. Bisher beträgt die Kunststoffrecycling-Quote 36%. Im ersten Schritt steigt die Quote 2019 auf 58,5%. Ab 2022 liegt sie bei 63%

 

In Deutschland stellen bereits mehrere Firmen aus gut sortiertem Kunststoffabfall Plastikgranulat her. Zu ihnen zählt die Schweriner Firma Ecophoenixx. Plastikgranulat ist das Ausgangsmaterial für die Herstellung von Gegenständen aus Kunststoff.

Für China ändert sich nichts am Rohstoffbedarf. Das Land produziert quasi für die ganze Welt. Wenn China keinen Kunststoffabfall mehr ankauft, dann kann China Kunststoff selber herstellen, ihn aus eigenen Abfällen recyclen oder Plastikgranulat kaufen. Statt Müll werden jetzt wiederaufbereitete Rohstoffe an China verkauft, wie Geschäftsführer Michael Hofmann von Ecophoenixx in einer Sendung auf arte zeigte (1).

 

(1) ARTE Journal - "Das globale Geschäft mit dem Plastikmüll", Verfügbar von 10/05/2018 bis 12/05/2038

(2) "Verpackungsverbrauch in Deutschland weiterhin sehr hoch", UBA, 25.07.2018

(3) "Kunststoffabfälle", UBA, 30.01.2017

(4) "Wie Chinas Importbann die weltweiten Plasticmüllströme verändert", NZZ, 21.06.2018, 11:11

 

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