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KonservendosenEs gibt Kunststoffe bzw. Kunststoffbestandteile, die hormonell wirksame Stoffe freisetzen und beispielsweise die Fruchtbarkeit von Menschen einschränken könnten. Hierzu zählt Bisphenol A (BPA). Man könnte zu dem Thema wohl Aktenordner füllen. Ich wollte mir nur einen kurzen Überblick verschaffen.

Wo kommt BPA vor?

4,4'-(propane-2,2-diyl)diphenol 200(Strukturformel: von Emeldir [Public domain], from Wikimedia Commons) Bisphenol A wird zur Herstellung von Polycarbonatkunststoffen, als Additiv in der PVC-Herstellung, in Epoxidharzen und Thermopapier eingesetzt. Um einige Beispiele zu nennen:

Dieser Stoff befindet sich beispielsweise in der Kunststoffinnenbeschichtung von Konserven- und Getränkedosen. Man kann in Kontakt kommen, wenn man Kassenzettel oder Lottozettel aus Thermopapier oder Kunststoffspielzeug aus PVC anfasst. Haushaltsgegenstände wie Gehäuse, Stecker, Schalter, Schüsseln, mikrowellenfestes Geschirr oder Kunststoffbesteck können aus Polycarbonat bestehen. Auch optische Datenträger wie CD/DVD-Rohlinge sind betroffen. Hinzu kommen Schutzausrüstung, wie Motorradhelme, oder Sportgeräte, wie Tennisschläger oder Surfbretter. uvm. (2)

Seit 2011 ist BPA in Babyfläschen aus Polykarbonatkunststoff in der EU verboten.

Die Verwendung von Bisphenol A in Thermopapier ist aus Gründen des Gesundheitsschutzes ab 2020 verboten. (3)

Die Umweltorganisation BUND hat 26 Produkte in Konservendosen untersuchen lassen. Über die Hälfte waren belastet. Obwohl Bisphenol A seit Anfang 2017 auf der EU-Liste der gefährlichsten Chemikalien befindet, ist es in Lebensmittelverpackungen noch nicht verboten. Man hat lediglich den Grenzwert herabgesetzt. Aus wissenschaftlicher Sicht wäre nur eine Null-Toleranz akzeptabel. (1) 

Konservendosen

Produkte aus Polycarbonat sind mit dem Recycling-Code Dreieck und "07 PC" gekennzeichnet, aber es besteht keine Kennzeichnungspflicht. Meist steht nur "7 O" für "Other" = andere Stoffe.

Produkte aus Polyvinylclorid sind mit dem Recycling-Code Dreieck und "03 PVC" gekennzeichnet. (6)

 

Wie gelangt BPA in den menschlichen Körper?

Nach momentanem Stand der Forschung nehmen Menschen BPA hauptsächlich über Lebensmittel auf. Hierzu zählt Nahrung in Konserven oder in Polycarbonatgefäßen. Der Stoff wird durch Wasser unter Einfluss von Temperatur, Dauer, Wasserhärte usw. herausgelöst. (2)

Auch im Krankenhaus kann man dem Stoff ausgesetzt sein. Untersuchungen zeigten bei Dialysepatienten und Babys auf Intensivstationen höhere Werte im Körper. (2)

 

Welche Wirkung entfaltet BPA im Körper?

Das Risiko durch BPA wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Lt. (2) geht die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA davon aus, dass Bisphenol A keine gesundheitlichen Risiken in sich birgt. Die Einschätzung basiert auf Tierversuchen und Hochrechnungen auf Grenzwerte für den Menschen. Die EFSA hat aber nicht alle verfügbaren Untersuchungen in die Bewertung einbezogen, da anscheinend keine absolute Klarheit aufgrund unterschiedlicher Studienergebnisse herrscht. Es gibt eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen, die sehr wohl Risiken ermittelt haben. Demzufolge gibt es zahlreiche Autoren, die mit der Einschätzung der EFSA nicht einverstanden sind. Auch die Forschungsergebnisse in Abhängigkeit der Konzentration des Stoffes scheinen uneinheitlich.

Zu den besorgniserregenden Auswirkungen bei Tieren und Menschen - sei es im Experiment oder Studien - zählen u.a.

  • Veränderung von Verhalten, Lernvermögen und bestimmte Hirnstrukturen, insbesondere bei den Nachkommen,
  • Vergrößerungen der Prostata,
  • verringerte Spermienkonzentrationen,
  • verfrühter Eintritt der Pubertät,
  • mögliche Sensibilisierung hin zu einer Allergie gegen den Stoff,
  • Erektions- und Ejakulationsprobleme,
  • verminderte Libido,
  • aggressiveres Verhalten bei Kindern ggü. gleichaltrigen, wenn die Mutter während der Schwangerschaft hoher Belastung mit BPA ausgesetzt war,
  • höhere Rate an Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wenn soviel herumdiskutiert wird und es diverse Risikoanhaltspunkte gibt, sollte man meines Erachtens nach den Stoff so schnell wie möglich durch risikolose Chemikalien ablösen. Als Verbraucher sollte man versuchen, sich Bisphenol A möglichst wenig auszusetzen.

Einige EU-Länder reagieren aufgrund der Unsicherheiten mit eigenen niedrigeren Grenzwerten. (2)

 

Wo ist kein Bisphenol A enthalten?

Laut (1) enthalten Kunststoffe mit folgenden Recycling-Codes kein Bisphenol A:

  • "2" oder "2 PE_HD": Polyethylen High-Density
  • "4" oder "4 PE-LD" oder "4 LDPE": Polyethylen Low-Density 
  • "5" oder "5 PP": Polypropylen

Bei Konservendosen hat man wohl momentan als Verbraucher im Grunde keine Chance, Bisphenolfreiheit zu ermitteln.

 

Wie bekommt man als Verbraucher Auskünfte?

In der EU gibt es die "REACH - Verordnung (EG) 1907/2006 ist die Europäische Chemikalienverordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe". "REACH" leitet sich aus dem englischen Titel der Verordnung ab: Regulation concerning the Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of CHemicals. Hersteller, Importeure und nachgeschaltete Chemikalienanwender müssen nach dieser Verordnung sicherstellen, dass Chemikalien, die sie herstellen und in Verkehr bringen, sicher verwendet werden.

Früher haben Behörden die Sicherheit der Chemikalien und vorliegende Herstellerinformationen geprüft und bei Herstellern nachgefragt, falls Angaben gefehlt haben. Dieser Ablauf stellte sich als nicht zeitgemäß heraus. Heute müssen die Hersteller selber prüfen und vor Inverkehrbringung alle notwendigen Angaben vorlegen.

REACH beinhaltet für Verbraucher ein Auskunftsrecht falls in einem Produkt ein Stoff aus der Liste gefährlicher Chemikalien enthalten ist. In Artikel 33 Absatz 2 heißt es dazu:

(2) Auf Ersuchen eines Verbrauchers stellt jeder Lieferant eines Erzeugnisses, das einen die Kriterien des Artikels 57 erfüllenden und gemäß Artikel 59 Absatz 1 ermittelten Stoff in einer Konzentration von mehr als 0,1 Massenprozent (w/w) enthält, dem Verbraucher die ihm vorliegenden, für eine sichere Verwendung des Erzeugnisses ausreichenden Informationen zur Verfügung, gibt aber mindestens den Namen des betreffenden Stoffes an.

Die jeweiligen Informationen sind binnen 45 Tagen nach Eingang des Ersuchens kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Egal, ob Schuhe, Bekleidung, Sportgeräte, Spielzeug oder Wohnungsaustattung, man kann beim Hersteller nachfagen. Es gibt allerdings auch Ausnahmen: Für manche Produkte wie Arzneimittel, Lebensmittel, Kosmetika oder Pflanzenschutzmittel gelten spezielle Regelungen.

Das Umweltbundesamt stellt ein Onlineformular über die App des Umweltbundesamtes "Scan4Chem" und einen Musterbrief für Verbraucheranfragen beim Hersteller bereit. (5)

 

 

(1) "Bisphenol A weiter im Einsatz", ARD, plusminus, 21.02.2018

(2) Hintergrundpapier "Bisphenol A - Massenchemikalie mit unerwünschten Nebenwirkungen", Umweltbundesamt, Juli 2010

(3) Pressemeldung "EU erkennt Bisphenol A als besonders besorgniserregend an. Studien belegen hormonelle Wirkung auf Fische und Amphibien – UBA prüft weitere Regulierung", Umweltbundesamt, 22.01.2018

(4) "Candidate List of substances of very high concern for Authorisation", ECHA - European Chemicals Agency

(5) "Auskunftsrechte für Verbraucherinnen und Verbraucher", Umweltbundesamt, 29.08.2018

(6) Recycling-Nummern, Wikipedia, 29.08.2018

 

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