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Plastikmüll Bei meinen Recherchen zum Bio-Kunststoff bin ich darauf gestoßen, dass das Wort "Bio" in diesem Zusammenhang verschiedene Bedeutungen hat. BIO kann dafür stehen, dass die Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Kartoffeln oder Mais bestehen. BIO kann aber auch bedeuten, dass Kunststoffe biologisch abbaubar sind. Das eine bedingt aber nicht das andere. Und biologisch abbaubar bedeutet praktisch heutzutage meist (noch?) nicht kompostierbar. Ich wollte es etwas genauer wissen und habe weiter recherchiert.

Bio-Tonnen beinhalten trotz Aufklebern und Aufklärung viele Plastiktüten. Inzwischen wurden mehrfach in den Medien die Überbleibsel angeblich kompostierbarer Bio-Plastiktüten nach der Regelkompostierzeit gezeigt. Diese beträgt in industriellen Kompostieranlagen ca. 3 bis 6 Wochen. Aber es werden nicht die erforderlichen Umweltbedingungen für die Zersetzung von Bio-Tüten erreicht. Zu Hause scheitert man quasi ganz. Es brächte auch nichts, denn Bio-Kunststoffe bilden keinen Humus sondern Kohlendioxid und Wassser.

In der Kompostierungsanlage der Stadt Marburg/Lahn zum Beispiel kommt der städtische Biomüll in eine Vergährungsanlage oder in eine Kompostieranlage (1). Aber keine dieser Anlagen erreicht die Temperatur und die Verweilzeit zur Zersetzung von Bio-Plastik. Deshalb müssen Plastiktüten von Hand aussortiert werden. Würde man das nicht tun, wäre der Kompost durch das Plastik verdreckt und könnte nicht mehr an Betriebe von Bioland oder Naturland verkauft werden.

Martin Löder, Leiter der Gruppe Mikroplastik im Fachbereich Biologie der Uni Bayreuth, hat in einer Studie (3) mehrere Kompostieranlagen und Biogasanlagen untersucht. In den Kompostieranlagen für Bio-Müll haben die Wissenschaftler relativ viel Mikroplastik gefunden. Bei den mit Mais gefütterten Biogasanlagen jedoch nicht.

Verdreckter Biomüll ist ein echtes Problem. Auch bei Verwertung von Lebensmitteln aus dem Handel kann Verpackungsmüll mit geschreddert werden. Abfälle aus Grünanlagen vom Gehölzverschnitt oder Rasen mähen können Plastikmüll von Spaziergängern enthalten. Die Pflege von Verkehrswegen bringt Müll vom Straßenrand oder Gehwegen.

Kunststoffabfall im Straßenlaub
Kunststoffabfall im Straßenlaub

Jedoch es geht nicht nur um die Bildung von Mikroplastik auf Ackerböden oder Grünanlagen. Es geht auch um die im Plastik enthaltenen Flammschutzmittel oder lösbaren Giftstoffe!

Auch die Lübecker Entsorgungsbetriebe kämpfen mit dem Plastikproblem im Bio-Müll (2). Dort wird ebenfalls aussortiert und zweimal gesiebt. Aber es reicht nicht, um alles zu entfernen. Der fertige Kompost beinhaltet viele kleine Plastikfetzen. Die Abnehmer aus der Landwirtschaft brauchen Humus für die Düngung, aber den Müll wollen sie nicht auf dem Acker.

Der Gesetzgeber hat den Störstoffanteil zum 01.07.2018 auf 15 cm2/Liter bzw. 0,4% weiter gesenkt (4). Umgerechnet wären das knapp 0,2 Prozent vom Gesamtgewicht (2). Und selbst dann kann man den Dreck noch sehen. Bunte zentimetergroße und tlw. beschriftete Kunststoffstücke auf dem Acker fallen sofort auf.

Was kann der Verbraucher besser machen?

Es ist ganz einfach:

Ich habe seit weit über 10 Jahren den o.g. Klassiker als Eimer, der mal in Berlin an die Haushalte verteilt wurde. Momentan pilotiere ich aber die Eigenkompostierung.


 

(1) "Mülltrennung - Warum die kompostierbare Tüte nicht in die Biotonne darf", Deutschlandfunk Kultur, Länderreport, 20.09.2018

(2) "Wenn der Joghurtbecher im Kompost landet", Deutschlandfunk Kultur, Länderreport, 20.04.2018

(3) "Organic fertilizer as a vehicle for the entry of microplastic into the environment", Universität Bayreuth, ISSN 2375-2548, DOI: 10.1126/sciadv.aap8060

(4) "Lokalzeit-Plastik im Kompost", WDR, 16.06.2018 (Verfügbar bis 16.06.2019)

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