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Kunststoffe werden normalerweise aus fossilen Rohstoffen hergestellt. Kunststoffe können aber auch aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Allerdings muss man Obacht geben, was "BIO" im Einzelfall heißt!

BIO kann dafür stehen, dass die Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Kartoffeln oder Mais bestehen. BIO kann aber auch bedeuten, dass Kunststoffe biologisch abbaubar sind. Das eine bedingt aber nicht das andere. Nicht jeder Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen kann biologisch abgebaut werden. Und nicht jeder biologisch abbaubare Kunststoff muss aus nachwachsenden Rohstoffen herstellt sein. Das macht die Sache etwas kompliziert.

Hier betrachte ich ausschließlich Bio-Kunststoffe, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wurden.

Es gab pflanzliche Kunststoffe schon vor 100 Jahren. Bis in die 1930er Jahre wurde Bio hergestellt. Während des 2. Weltkrieges und danach wechselte man auf Erdgas und Erdöl. (3) Der neuerliche Trend zurück zu nachwachsenden Rohstoffen ist also eher Bio-Kunststoff 2.0. Diese Materialien dominieren bisher nicht das weltweite Kunststoffangebot. Aus Mais kann man beispielsweise Lebensmittelverpackungen, Socken, Flaschen, Windeln, Teppiche, Bettwäsche usw. herstellen.

Knapp über 40% der Bio-Kunststoffe sind gegenwärtig auch biologisch abbaubar. Aus diesem Material gibt es zum Beispiel Lebensmittelverpackungen, Einweggeschirr oder Verpackungsfüllstoffe. Allerdings sollte man nicht auf die Idee kommen, diese Kunststoffe auf den Kompost zu werfen. Es würde meist nicht funktionieren. Diese Kunststoffe brauchen bestimmte Bedingungen und lange Zeit, bis sie zersetzt sind. Außerdem bilden sie keinen Humus. Sie zersetzen sich eher zu Kohlendioxid und Wassser. Auch in der Bio-Tonne haben "Bio-Tüten" oder "Bio-Säcke" nichts zu suchen. Die Umsetzzeit in den Kompostbetrieben ist nur 6 bis 8 Wochen und damit zu kurz für Bio-Kunststoffe. Darüber hinaus werden die Säcke als Fremdstoffe aussortiert, weil man sie nicht von konventionellen unterscheiden kann.

Merke: Biologisch-abbaubare Kunststoffe gehören nicht in die Bio-Tonne.

Plantic Technologies Inc. in Australien produziert Lebensmittelverpackungen aus Bio-Kunststoff auf der Basis von Stärke. Der Kunststoff ist innerhalb von 8 Wochen zu CO2 und Wasser zersetzbar. Landet die Verpackung im Wasser, löst sie sich sofort auf.

 

Könnte man synthetische Kunststoffe durch Bio-Kunststoffe mengenmäßig ersetzen?

Harald Kaeb von European Bioplastics hat ca. 2008 in einem Interview gesagt, dass man gegenwärtig auf ca. 1 ha Ackerland Rohstoff für ca. 2 bis 3 Tonnen Bio-Kunststoff produzieren könnte. In Europa stünden theoretisch für derartige Produktion ca. 30 Millionen ha zur Verfügung. Damit könne man ca. 60 Millionen Tonnen Bio-Kunststoff produzieren, 50% mehr als in Europa verbraucht würde. (1) Zahlen der Organisation von 2017 sprechen davon, dass Bio-Kunststoffe bisher nur einen Anteil von ungefähr 1 Prozent an der weltweiten Kunststoffproduktion haben. Von der weltweiten Ackerfläche würden nur 0,02% für Bio-Kunststoffrohstoffe verwendet. 97% würden für Weideland, Futter- und Nahrungsmittelproduktion benutzt. (2)

Sicherlich ist dieses Umfeld nicht spannungsfrei. Schon beim Thema Biodiesel haben sich vor einigen Jahren hitzige Diskussionen um Nahrungsmittelpreisanstiege und Regenwaldrodungen ergeben. Es kann quasi immer zu Konkurrenzsituationen kommen. Die Zukunft wird zeigen, wie sich diese Branche entwickelt.

 

Wie sieht die Ökobilanz aus?

Nach Aussagen des Umweltbundesamtes sieht die Ökobilanz oft eher bescheiden aus. (3)

Pro

  • Erdölvorräte werden geschont.
  • CO2 Bilanz z.B. bei Plastiktüten besser.
  • In der Müllverbrennungsanlage verbrennt der Kunststoff rückstandslos und entläßt nicht mehr CO2 als vorher gebunden wurde.

Kontra

  • Der Anbau von Mais, Kartoffeln oder Zuckerrohr verbraucht Diesel (aus Erdöl) und Düngemittel.
  • Der Boden wird oft überdüngt und verschmutzt Flüsse, Grundwasser und Seen.
  • Es werden Pestizide verwendet.
  • Es werden teilweise gentechnisch veränderte Organismen eingesetzt.
  • Die Bio-Kunststofferzeugung ist auch umweltbelastend.

In einer Studie vom Umweltbundesamt von 2012 kam man zu dem Ergebnis, dass Verpackungen aus bioabbaubaren Kunststoffen denen aus herkömmlichen Kunststoffen nicht überlegen sind. (4)

 

Für die "Kleinen" unter uns nochmal ein Video von logo! (Video verfügbar bis 17.07.2020, 19:50)

 

(1) Video-Reportage "Addicted to plastic", Canada, 2008, Deutsche Version: "Plastik über alles - Verwendung, Folgen und Alternativen"

(2) https://www.european-bioplastics.org/market/, 11.08.2018

(3) "Tüten aus Bioplastik sind keine Alternative", Umweltbundesamt, 08.06.2017

(4) "Untersuchung der Umweltwirkungen von Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen", Umweltbundesamt, 2012

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